Schweizer Kolonistendorf Nattwerder e. V.

 

Geschichtliches über den Ort und die Kirche Nattwerder

Nattwerder ist für Brandenburg ein besonders geschichtsträchtiges Anwesen. Es versinnbildlicht die enormen Bemühungen des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, Menschen für sein durch den 30jährigen Krieg sehr stark entvölkertes Land Brandenburg aus anderen europäischen Ländern zu gewinnen, vor allem, um die Wirtschaft im Land zu beleben.

Er war dazu bereit, ihnen - im Gegensatz zur einheimischen Bevölkerung - weitreichende Privilegien einzuräumen und die Glaubensfreiheit im Lande zu garantieren. Diesem großen Ziel diente auch das Edikt von Potsdam 1685.

Nach langwierigen Verhandlungen zwischen dem Kurfürsten und dem Rat zu Bern waren insgesamt 14 Familien mit 101 Personen (einschließlich Knechten und Mägden) bereit, in einen neue Heimat zu gehen. Sie trafen am 16. Juni 1685 in Nattwerder ein. Aufgrund der unzureichenden Bedingungen, die das Golmer Luch den Ankömmlingen bot, ist in den Folgejahren die Mehrheit der Kolonisten in benachbarte Gebiete weitergezogen. Aber heute noch leben Nachfahren der Kolonistenfamilien in Nattwerder.

Nattwerder ist nach 1990 ein Ortsteil von Potsdam geworden und inzwischen ein Flächendenkmal. Die ursprüngliche Anlage des Ortes durch die Schweizer Kolonisten Ende des 17. Jahrhunderts ist heute noch voll erkennbar, obwohl die vier Höfe 1867 abbrannten und nur in den Grundmaßen wieder aufgebaut wurden.

Das ehemalige Pfarrhaus aus den Jahre 1752 existiert ebenfalls noch in der ursprünglichen Kubatur. Nachträgliche Wohnbauten beschränkten sich im Wesentlichen auf Einzelgebäude und sind nicht an prominenter Stelle errichtet worden. Besondere Bedeutung kommt der Kirche in Nattwerder zu.

Die Schweizer bekannten sich zum reformierten Glauben. Dies fand dadurch Berücksichtigung, dass die Einrichtung einer Pfarrstelle sowie der Bau einer Kirche für die Kolonisten Teil des Vertrages zwischen dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg und dem Rat der Stadt Bern wurde. Die Kosten für den Bau der Kirche trug insofern der Kurfürst selbst; sie wurde am 16. November 1690 geweiht.

Abgesehen von der Orgel, deren Renovierung im Jahr 1996 durchgeführt wurde, ist die Kirche vollständig im Originalzustand und mit der Originalausstattung erhalten und tatsächlich die älteste Kirche in Potsdam.

Sie wird nach wie vor für Gottesdienste, Trauungen und Konzerte in der Sommerzeit genutzt. Heute hält die Kirche in Nattwerder und der sie umgebende Friedhof die Erinnerung an die Schweizer Kolonisten wach.

So existieren nach wie vor Grabstätten vom Anfang des 18. Jahrhunderts der Familien Dortschy, Kiener, Schweingruber und Garmatter, deren Nachfahren sich über die Mark Brandenburg verbreitet haben.

© Schweizer Kolonistendorf Nattwerder e. V.